Bombolo


Eine Biografie in Bildern
BOMBOLO – zwischen Leinwand, Kochtopf und Meditation

Bombolo – ein Name, den man sich merkt. Ein Name, der nicht nur Künstlername, sondern Identität ist. Ein Künstler, dessen Bilder so abwechslungsreich sind wie sein Leben. Ein Leben voller Talent, Etappen, Brüche und Zufälle.

Von der Heimat an den Herd
Geboren wird Bombolo 1947 als Norbert Graubner. Der Vater: Bergmann, Kriegsinvalider, arbeitslos. Die Mutter: Hausfrau. Vier Kinder müssen versorgt werden. Die Nachkriegszeit ist hart und ohne Einkommen erst recht. „Ich bin in Armut groß geworden“, sagt Bombolo.

Mit 15 beginnt er eine Ausbildung zum Koch. „Das war eher ein Zufall. Ich sah im Fernseher einen Koch und wusste: Das möchte ich machen.“ Der Vater ist skeptisch, die Mutter jedoch unterstützt ihn. Bombolo findet sofort eine Lehrstelle – im renommierten Spitzenrestaurant „Heidekrug“ in Oberursel – und verlässt seinen Heimatort Weinbach.

„Die Ausbildung war eine sehr harte Zeit“, erinnert er sich. „Der Chef war streng und ungerecht. Wenn ihm etwas missfiel, begann man von vorn. Solange, bis es ihm recht war.“ Es gibt Demütigungen, Strafarbeiten, sogar Schläge. Zwölf Stunden Arbeit am Stück sind normal. Nicht nur einmal überlegt Bombolo, die Lehre abzubrechen. „Das hätte ich jedoch vor meinem Vater nie zugegeben“, schmunzelt er. „Also habe ich mich durchgebissen.“ Von fünf Lehrlingen bleibt am Ende nur er. Es sind Jahre, die ihn bis heute beschäftigen und prägen. Denn gelernt hat er in dieser Zeit viel. Nicht nur über das Kochen, sondern fürs ganze Leben.

Von der Spitzenküche zu großen Zweifeln
Nach der Ausbildung arbeitet er in verschiedenen Restaurants, bildet sich weiter und ist zwei Jahre als Koch auf den Schiffen der Holland America Line unterwegs. Er sammelt innerhalb weniger Jahre sehr viel Berufserfahrung und eröffnet schließlich mit nur 22 Jahren sein eigenes Restaurant – die „La Bonne Auberge“ in Königstein. Das Geld dafür leiht er sich von einem Freund. Das Restaurant etabliert sich schnell, zählt nach kürzester Zeit zur Spitzengastronomie der Region. Doch wirklich glücklich ist Bombolo nicht.

Er geht nach Frankfurt, führt das Hard Rock Café und die Waikiki Bar. Auch diese Restaurants laufen bestens. Doch er spürt, dass der Erfolg nicht alles ist. Der Stress, die Verantwortung und der Druck tun ihm auf Dauer nicht gut. Ebenso wenig das protzige Leben der Menschen in seinem Umfeld: teure Autos, exzessive Partys, das Um-sich-Werfen mit Geld, stoßen ihn ab. „Das ist nicht mein Leben“, stellt Bombolo für sich fest.

Ein Schild, das alles verändert
Es folgt ein Zufall, der alles auf den Kopf stellt: Er trifft nach Jahren einen alten Freund, der ihm von seiner Pension auf Mallorca erzählt und ihn einlädt: „Komm mich doch mal besuchen!“ Das macht der damals 35-Jährige, mietet sich ein Auto und erkundet die Insel auf eigene Faust. Plötzlich entdeckt er im Südwesten der Insel eine verfallene Finca.

„Se vende“ steht auf einem Schild: zu Deutsch: „zu verkaufen“. „Es war unglaublich heiß an diesem Tag“, erinnert er sich. „Die Grillen zirpten und ich hatte einen großartigen Blick auf das Tramuntana-Gebirge. Ich war sofort verliebt in diesen Ort und wusste, hier will ich bleiben.“

Noch am gleichen Tag unterschreibt er den Kaufvertrag. Das Geld für die Finca hat er da noch nicht. Er fliegt zurück nach Deutschland, verkauft die Restaurants, seine Wohnung und beinah alles, was er besitzt. Er zieht nach Mallorca, spricht kein Wort Spanisch, kennt niemanden und restauriert die Finca selbst. „Man muss sich einfach auf die Dinge einlassen und darf keine Angst davor haben, was passiert“, sagt er. Dieses Motto begleitet ihn durch sein ganzes Leben.

Zwischen Abenteuer und Zuhause
Von Mallorca aus reist er kreuz und quer durch die Welt. Zunächst nach Aspen im US-Bundesstaat Colorado. Zwei Jahre lang lebt er dort und arbeitet mit einem Freund in einem Restaurant. Seine Freizeit verbringt er mit den Native Americans. Die Kultur der indigenen Völker fasziniert ihn bis heute und bringt ihn damals zur Malerei. „Ich habe in diesen Jahren viele Fotos gemacht“, erzählt er. „Aber die konnten nicht das transportieren, was ich gefühlt und mit den Menschen verbunden habe.“

Zurück auf Mallorca sucht er eine Möglichkeit, seine Eindrücke festzuhalten – und findet sie in der Malerei. „Für Kunst habe ich mich schon immer interessiert. Dass ich aber selbst einmal malen würde, hätte ich nicht gedacht.“ Doch Bombolo macht es. Für sich. Weil es ihm Spaß macht und er seine Erinnerungen dadurch bewahren kann. Gerade die Portraits der Native Americans sind ein großer Bestandteil seiner ersten Bilder und letztendlich sogar die, die ihn bekannt machen.

Bombolo reist weiter durch die Welt. Er paddelt mit dem Kanu durch den Amazonas, wandert durch Alaska, reitet auf Yaks durch Indien, taucht in Französisch-Polynesien. „Ich habe immer nur ein One-Way Ticket gekauft. Ich wusste ja nicht, wie lange es mir gefällt.“

Vier bis sechs Wochen ist er jedes Jahr unterwegs und hat nur das Nötigste im Gepäck: Zahnbürste, Wechselkleidung, Geld. Sonst nichts. Die Finca auf Mallorca bleibt dabei 29 Jahre lang sein Zuhause, sein Zentrum, zu dem er nach seinen Abenteuern voller Erinnerungen und Inspiration immer wieder zurückkehrt – und malt.

Der Galerist an der Tür
Was ihn plötzlich zum gefragten Künstler werden lässt, ist ein weiterer Zufall, der die größte Veränderung in seinem Leben auslöst. Er bekommt Besuch von einem Freund, der spontan einen Galeristen mitbringt. Dieser ist begeistert von Bombolos Arbeiten, möchte sechs Stück mit in seine Galerie nehmen. „Wie viel möchtest du für ein Bild haben?“, fragt er. Bombolo ist überrascht und antwortet mehr im Scherz: „1.000 Mark.“ „Ich habe das gar nicht ernst genommen“, erzählt er. Kurze Zeit später steht der Galerist wieder vor der Tür – mit 6.000 Mark. Bombolos Bilder hat er alle verkauft.

Noch heute kann Bombolo kaum fassen, was damals passiert ist. „Das kam einfach alles auf mich zu. Ich habe ja nur gemalt, weil es mir Spaß gemacht hat. Ich hätte nie gedacht, dass jemand ein Bild von mir kaufen will.“ Seine Karriere als gefragter Künstler beginnt. Galeristen stehen geradezu Schlange. Aber es bleibt nicht nur bei der Malerei. Er fertigt Skulpturen aus Holz und Keramik, kreiert aufwendige Holzschnitte und baut surrealistische Objekte aus Wellpappe. Es folgen zahlreiche Ausstellungen – weltweit. Renommierte Galerien zeigen bis heute seine Gemälde. Seine Werke finden sich nicht nur in privaten Haushalten, sondern auch in Museen und Hotels.

Aufstehen und weitermachen
Was klingt wie ein Film, ist ein real gelebtes Leben. Mit glücklichen Zufällen, vielen Höhen, aber auch Tiefen. Seine Bilder und Skulpturen spiegeln seine unterschiedlichen Lebensphasen wider. „Meine Bilder sind meine Biografie“, sagt er. So ist die Bandbreite seiner Arbeiten groß und reicht von abstrakt bis gegenständlich, von realistisch bis surrealistisch.

„Es war in meinem Leben nicht immer alles Sonnenschein. Bei all dem, was ich gemacht habe, bin ich auch oft gescheitert.“ Bombolo nutzt mutig die Gelegenheiten, die sich ihm bieten. Doch nicht jede entpuppt sich als sinnvoll oder erfolgreich. So gab es auch Zeiten, in denen er bankrott und verschuldet war. Aufgeben ist jedoch nie eine Option. Wie bereits als Lehrling, beißt er sich durch schwierige Phasen.

Von der Angst zum Zen
Was sich aber, geprägt durch die Armut in der Kindheit, durch solche Erfahrungen verstärkt, sind Existenzängste. Selbst heute noch gibt es Momente, in denen er damit zu kämpfen hat. Aber auch hier ist es eine schicksalhafte Begegnung, die ihm neue Wege aufzeigt.

Er lernt eine an Depressionen erkrankte Frau kennen, die in der Meditation Hilfe findet. Bombolo ist inspiriert und beginnt selbst zu meditieren. Er besucht zahlreiche Workshops, liest Dutzende Bücher und befasst sich intensiv mit Achtsamkeit und mentalem Training. Doch das reicht ihm nicht. Mit 39 Jahren geht er für viele Monate in ein Zen-Kloster nach Japan, wo er unter anderem lernt, mit seinen Ängsten umzugehen.

Lange Zeit begleitet ihn die Meditation durchs Leben, verhilft ihm zu Ruhe und Klarheit. Doch seit Jahrzehnten findet er diese vor allem in seiner Kunst. Es geht ihm bei der Malerei nicht um das Ergebnis. Es ist der Prozess des Schaffens und das Verschwinden von Raum und Zeit, das für ihn wichtig ist. „Auch das ist Meditation“, sagt er. „Genauso wie das Kochen“, das nach wie vor ein fester Bestandteil seines Lebens ist.

Ein Haus voller Geschichten
Seit 15 Jahren lebt und arbeitet er nun in einem alten Spaltschieferhaus in Langhecke. Sein Atelier gleicht einem Wimmelbild. Pinsel, Farben, Schnitzwerkzeuge. Bilder an den Wänden und zu Dutzenden hintereinander gereiht auf dem Boden. Schallplatten, Skulpturen, Bücher, Gitarren, ein Holzofen. Ein zehn Meter langer Holztisch dominiert den Raum, umgeben von unterschiedlichen Stühlen.

In seinem Garten gibt es eine große Küche, Tische und Stühle für rund 20 Personen, eine Außenterrasse und eine Bühne. Immer wieder veranstaltet er kleine Events, lädt Freunde zu sich ein. Es ist wie ein kleines Restaurant. Nur ohne Druck.

Bombolo ist angekommen und hat alles, was er liebt, an einem Ort vereint. Dankbar und glücklich blickt er auf fast acht Jahrzehnte. „Ich hatte wirklich ein tolles Leben“, sagt er. Und wenn er seine Bilder betrachtet, reist er an die Orte, die er besucht hat, gedanklich zurück. Das reicht ihm. Der Weltenbummler hat innere Ruhe und seine Heimat gefunden. Doch nicht nur in Langhecke, sondern mit dem Beginn der Malerei vor allem in sich selbst.

INFO
Für September dieses Jahres ist im Bergbau- und Stadtmuseum Weilburg eine Ausstellung unter dem Motto „Alle meine Farben“ geplant.

KONTAKT
Instagram: @bombolo_art
Facebook: @bombolo pictures

Text: Jasmin Rumpf I Fotos: Werner Schüring, privat