Wisst ihr noch, früher? Dieses Geräusch, wenn sich der Computer ins Internet eingewählt hat. Die theatralische Statusmeldung bei ICQ, die eine ganz bestimmte Person lesen sollte. Als Polly noch in unsere Pocket passte und unser jugendlicher Leichtsinn am nächsten Tag nicht im Internet landete. Ich bin ein Millennial, aufgewachsen in den 90ern und 2000ern. Ob das die beste Zeit war, steht für mich nicht zur Diskussion.
Und heute? Kommt alles zurück. Alte Technik, alte Musik, alte Mode. Sogar „Diddl is back“ und in den Geschäften weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Aber Hauptsache Gen Z erklärt uns, wie Socken cool getragen werden, während sie in den Klamotten meiner Jugend herumläuft. Schatz, erst wenn du dir auch mit 15 ein Arschgeweih tätowieren lässt, können wir reden. So ist das eben mit den Generationen und der Nostalgie.
Und überhaupt war früher alles besser. Zumindest, wenn man der gesellschaftspolitischen Stimmung aktuell glaubt: Die Menschen waren netter, die Jugend anständiger, die Welt friedlicher und vor allem durfte man noch seine Meinung sagen. Doch wann genau war eigentlich dieses früher? Kommt immer darauf an, wen man fragt.
Früher war nicht alles besser. Wir haben nur weniger mitbekommen. Heute werden wir mit Schlagzeilen und Skandalen überschüttet. Menschlichkeit? Mitgefühl? Abgeschafft! Und dann erzählen uns die Friedrichs dieser Welt noch, dass alles den Bach runtergeht, während sie in Privatjets fliegen und nichts abgeben wollen. Jeder ist sich eben selbst der Nächste. Die Stammtisch-Parolen werden heute auf Social Media geteilt und alle sind plötzlich Experten. Das Internet hat Dummheit, Hass und schlechte Erziehung jedoch nicht erfunden. Es hat ihnen nur Reichweite gegeben.
Wisst ihr, was ich früher besser fand? Dass wir uns weiterentwickelt haben und nicht zurück. Während wir also in Erinnerungen schwelgen, sollten wir nicht vergessen, dass Nostalgie nur ein Gefühl ist. Mit der Realität hat das oft nichts zu tun.