Michael Krämer


Maler, Model, Musiker

Zwischen Farbrolle, Kamera und Schlagerbühne geht Michael Krämer ungewöhnliche Wege

„Du siehst ja genauso aus wie ich.“ Diese Nachricht auf Instagram sorgt bei Michael Krämer aus Kottenheim zunächst einmal für große Verwunderung. Ein fremder Mann schreibt ihm und behauptet, dass sie sich zum Verwechseln ähnlich sehen. Michael ist skeptisch. „Ich dachte erst, das ist ein Fake, und habe gar nicht darauf reagiert“, erinnert er sich. „Die Ähnlichkeit schien viel zu groß und die Wahrscheinlichkeit, so einen Doppelgänger zu finden, viel zu gering.“

Doch schnell stellt sich heraus: Der Mann ist echt. Sein Name ist Ralf Cerne, seit mehr als 30 Jahren als Schlagersänger aktiv. Bereits im ersten Gespräch wird den beiden klar: Wir sehen uns nicht nur ähnlich. Wir teilen auch die Leidenschaft für Musik, Schlager und das Rampenlicht.

Denn auch Michael singt schon seit vielen Jahren, wenn auch nicht ganz so professionell wie Ralf. Neben seiner Selbstständigkeit ist er immer wieder als Sänger bei regionalen Veranstaltungen im Koblenzer Raum aufgetreten. „Ich habe schon immer Spaß am Singen gehabt“, erzählt er. „Deswegen lag für uns nichts näher, als gemeinsam Musik zu machen.“ So entsteht innerhalb kürzester Zeit das Schlagerduo „Zweiklang“. 2025 erscheint ihre erste gemeinsame Single – ein Cover des Songs „Wie der Wind wehst du mir ins Gesicht“ von Brunner & Brunner. Mit dem Song machen die beiden erstmals als Duo auf sich aufmerksam. Im Mai 2026 folgt mit „Wenn Du mir gegenüberstehst“ ihre zweite Single. Nachdem sich Ralf Cerne jedoch aus dem Musikgeschäft zurückgezogen hat, startet Michael nun seine Solokarriere. Der erste Titel „Weiße Sneaker“ ist bereits fertig und soll noch 2026 veröffentlicht werden.

Vom Malermeister vor die Kamera
Doch Michael ist nicht nur Sänger. Seit fast drei Jahrzehnten ist er selbstständiger Malermeister. Sein Beruf bedeutet für ihn dabei mehr als bloß Raufaser, Farbeimer und Spachtelmasse. Es geht um Kreativität, um Gestaltung, um ein gutes Gespür für Farben und Formen und darum, aus Räumen etwas Besonderes zu machen. Der 59-Jährige ist Handwerker aus Überzeugung. Und obwohl inzwischen immer wieder die Kamera zu seinem Arbeitsalltag gehört, hat sich daran nichts geändert. Seinem Beruf als Malermeister ist er bis heute treu geblieben. Denn dass er irgendwann einmal vor der Kamera stehen würde, war alles andere als geplant.

Vor rund 15 Jahren startet er einen eigenen YouTube-Kanal, auf dem er deutsche Pop- und Schlager-Coversongs veröffentlicht. „Irgendwie hatte ich mit meinen Videos schon auch die vage Hoffnung, dass mich jemand als Musiker entdecken könnte“, gibt er schmunzelnd zu. Entdeckt wurde er tatsächlich. Allerdings nicht von einer Plattenfirma, sondern von einer Modelagentur.

Plötzlich klingelt das Telefon und die Agentur aus München bietet ihm eine Zusammenarbeit als Best-Ager-Model an. Der damals eher ungewöhnliche Gedanke entwickelt sich zu einer echten Chance. „Mit sowas hätte ich wirklich nie gerechnet. Aber ich dachte mir, ich probiere es einfach mal aus.“

Schnell bekommt er seinen ersten Job. „Ich war natürlich furchtbar aufgeregt“, erinnert er sich. „Ich hatte ja gar keine Ahnung, ob ich das überhaupt kann und was mich erwartet.“ Doch offenbar macht er seine Sache gut, denn seine Arbeit gefällt. Nicht nur den Kunden, sondern auch ihm. Es folgen zahlreiche Imagefilme, Werbekampagnen und Moderationen. Auch Laufsteg-Jobs für verschiedene Modelabel sind dabei. „Auf den ganz großen Bühnen wie Mailand oder New York war ich bisher noch nicht. Aber wer weiß, was noch passiert“, sagt er augenzwinkernd. Mittlerweile ist er bei rund 15 Agenturen als Model gelistet und bekommt regelmäßig neue Aufträge. Aus einer spontanen Möglichkeit wird ein zweites berufliches Standbein. Und manchmal kommt ihm sein eigentlicher Beruf bei Modelaufträgen sogar zugute.

Für BAUHAUS steht Michael beispielsweise nicht nur als Werbegesicht vor der Kamera. Als Malermeister kann er in Werbeclips sein Fachwissen einbringen. In verschiedenen Produktionen gibt er praktische Tipps rund ums Heimwerken, stellt Produkte vor und ist auch bei Live-Shopping-Formaten dabei. Sein handwerklicher Hintergrund wird damit Teil seiner Arbeit vor der Kamera. Farbrolle und Kamera sind bei Michael also längst keine Gegensätze mehr.

Doch es gelingt ihm auch, in fremde Rollen zu schlüpfen. Er wird zum Trucker bei einer Kampagne für Pokémon GO oder zum Werbegesicht bei einem Imagefilm der Deutschen Telekom. Zuletzt ist er ein zukünftiger Eigenheimbesitzer in einem Kinowerbespot für ein Immobilienmaklerbüro. Der Spot wird in Koblenz und Mayen ausgestrahlt. „Ich wurde dann tatsächlich schon wiedererkannt“, berichtet er lachend. „Das war im ersten Moment wirklich seltsam.“

Wenn das Alter (k)eine Rolle spielt
Michaels berufliche Tätigkeiten miteinander zu verbinden, bedeutet allerdings auch Organisation und Flexibilität. Ein Auftrag auf der Baustelle lässt sich nicht immer problemlos mit einem kurzfristigen Casting oder einem Drehtermin vereinbaren.

„Auch ein gesundes Selbstbewusstsein und Souveränität sind wichtig“, erläutert er. „Als Model fällt man immer wieder durch Castings und bekommt Absagen. Das gehört zum Modelbusiness einfach dazu. Aber wer vor der Kamera arbeiten möchte, muss lernen, damit umzugehen.“ Michael kennt solche Situationen. Verunsichern lässt er sich davon nicht.Gleichzeitig erlebt er, dass Gesichter jenseits der klassischen Altersgrenze für Models immer stärker gefragt sind und Lebenserfahrung und Glaubwürdigkeit zunehmend eine wichtige Rolle spielen. Als Best-Ager-Model steht er damit stellvertretend für eine Generation, die heute einen festen Platz in der Modelbranche hat.

Natürlich gibt es auch Menschen, die seine Modelkarriere kritisch sehen. Manche finden, er sei „zu alt für so einen Quatsch“. Michael nimmt das gelassen. „Klar denkt der ein oder andere, dass der Maler sie nicht mehr alle hat“, erzählt er und lacht. „Das ist für mich okay. Vieles ist einfach noch stark von Vorurteilen und veralteten gesellschaftlichen Vorstellungen geprägt. Aber nur weil ich fast 60 bin, heißt das ja nicht, dass ich mich daran halten muss.“

Michael steht damit auch für ein neues gesellschaftliches Bild des Älterwerdens. „Auch jenseits der 50 kann man neue Interessen entdecken, zweite Karrieren beginnen oder sich lang gehegte Träume erfüllen, für die früher vielleicht keine Zeit war“, fasst er die Entwicklung zusammen.

Vielleicht ist genau das die spannendste Seite an Michaels Geschichte: Nichts davon war von langer Hand geplant. Aus der Freude am Singen entstehen YouTube-Videos, daraus ergibt sich eine Modelkarriere – und irgendwann führt eine Nachricht auf Instagram zu einem neuen musikalischen Kapitel.

Maler, Model, Musiker – drei scheinbar unterschiedliche Welten, die bei Michael erstaunlich gut zusammenpassen. Und vielleicht muss man gar nicht immer wissen, wohin der nächste Schritt führt. Manchmal reicht es, einfach den Mut zu haben, ihn zu gehen.

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Text: Jasmin Rumpf / Fotos: Michael Krämer