Wer William Kento Vonnemann gegenübersitzt, merkt schnell: Was den Elfjährigen von anderen Kindern unterscheidet, ist nicht die Tatsache, dass er seit Jahren Schauspieler ist. Es ist die Selbstverständlichkeit, mit der er darüber spricht.
Der Junge mit dem braunen Wuschelkopf, der von allen „Willi“ genannt wird, lebt mit seinen Eltern und seinen beiden Geschwistern in Heistenbach. Seit seinem fünften Lebensjahr kennt er Castings, Drehbücher und Filmsets aus eigener Erfahrung. Doch wenn man ihn fragt, was ihn an der Fernsehwelt eigentlich am meisten begeistert, spricht er von etwas, das zunächst überrascht. Es ist nicht das Rampenlicht, der Glamour oder die Begegnung mit Prominenten. Es ist der Blick hinter die Kulissen. „Ich finde es immer spannend, wenn man später den fertigen Film sieht. Man weiß, dass man dafür einen ganzen Monat gedreht hat, aber am Ende ist das nur eine Stunde Film.“
Prominente Begegnung – na und?
Natürlich begegnet Willi bei Dreharbeiten immer wieder bekannten Schauspielerinnen und Schauspielern. Anke Engelke, Bastian Pastewka, Edgar Selge oder Ulrich Tukur – Namen, die viele Erwachsene beeindrucken würden. Aus der Ruhe bringt Willi das nicht. Im Gegenteil. Besonders schmunzeln muss er, als das Gespräch auf die Förderpenny-Kampagne mit Lukas Podolski kommt. „Das Lustige war“, erzählt er grinsend, „ich kannte Lukas Podolski vorher gar nicht.“
Genau diese Gelassenheit ist etwas, das Willi auszeichnet. Dreharbeiten sind keine glamouröse Parallelwelt. Sie gehören zu seinem Leben dazu wie Tischtennistraining oder Matheunterricht. Es geht ihm weder darum, im Mittelpunkt zu stehen, noch darum, erfolgreich zu sein und den Weg für eine berufliche Schauspielkarriere zu ebnen. Für ihn sind Dreharbeiten nur eines: Ein Hobby, das ihm großen Spaß macht.
Eine Anmeldung ohne Erwartungen
Dass Willi vor der Kamera landete, war keineswegs lange geplant. „Ich habe schon immer gerne gesungen“, erzählt der Elfjährige. Auf den Vorschlag einer Freundin hin meldete seine Mutter Ana Nuria Schmidt den damals Fünfjährigen schließlich bei einer Castingagentur an – ohne große Erwartungen. „Ich dachte einfach: Probieren wir es mal aus“, erinnert sie sich. Doch die ersten Anfragen ließen nicht lange auf sich warten. Castings folgten und schon bald erhielt er seine erste Hauptrolle in dem Fernsehfilm „Ein Wahnsinnstag“. Seitdem steht er regelmäßig vor der Kamera und hat bereits in Fernsehproduktionen wie „Tatort“, „Bettys Diagnose“ oder „Faking Hitler“ mitgespielt. Auch Kinofilme wie „Mariannengraben“ oder „Hey, ich bin der kleine Tod“ gehören zu seiner Filmografie.
So sind Dreharbeiten längst Teil des Familienlebens geworden. Aber auch Absagen. Ana Nuria weiß, dass gerade dieser Teil oft unterschätzt wird. „Viele Castings, die man macht, enden ohne Zusage. Man muss lernen, damit umzugehen und darf das nicht persönlich nehmen.“ Willi nimmt solche Situationen erstaunlich leicht: „Natürlich freue ich mich, wenn ich eine Rolle bekomme. Aber wenn es nicht klappt, dann eben nicht.“ Seine Mutter ergänzt: „Die Entscheidung liegt ja auch häufig an den Dingen, die man nicht beeinflussen kann. Oft sind die Größe, die Haarfarbe oder schlicht die Frage, welches Kind am besten zu einer Filmfamilie passt, ausschlaggebend.“
Die Kunst, einfach echt zu sein
Was bei Willi auffällt, ist die Leichtigkeit, mit der er an neue Produktionen herangeht. Vor der Kamera wirkt nichts einstudiert. „Wenn ich die Rolle einmal verstanden habe, dann ist die Hälfte eigentlich Improvisation. Das kommt dann einfach.“ Willis Mama nickt. „Texte lernt er unglaublich schnell. Er setzt sich nicht unter Druck und hat keine Angst, spontan etwas auszuprobieren.“ Genau diese Natürlichkeit schätzen viele Regisseurinnen und Regisseure. Kinder sollen nicht alles perfekt auswendig lernen, sondern glaubwürdig spielen. Bei Willi scheint das fast mühelos zu funktionieren. Ana Nuria schmunzelt. „Ich glaube, er macht das auch deshalb so gern, weil es ihn gar nicht anstrengt.“
Doch Leichtigkeit allein reicht nicht. Es braucht auch Empathie, um überzeugend zu sein und Menschen zu berühren. Besonders bewegt erzählt seine Mutter von einem Casting, in dem Willi eine traurige Szene vorspielte. Plötzlich liefen ihm Tränen übers Gesicht. „Er hat sich so sehr in die Situation hineingefühlt, dass er wirklich angefangen hat zu weinen.“ Obwohl er nach außen extrovertiert, lebhaft und voller Energie wirke, sei er sehr sensibel, ergänzt sie.
Alles unter einem Hut
Willi steht regelmäßig vor der Kamera und hat trotzdem genug Zeit für Schule, Freunde und andere Hobbys. Denn die Schauspielerei ist nicht das Einzige, das der Sechstklässler in seiner Freizeit gerne macht. Er spielt außerdem Tischtennis, Tennis, Schach und nimmt Gesangsunterricht. „Da wir auf dem Land wohnen, ist alles zum Glück nur fünf oder zehn Minuten entfernt“, erläutert Ana Nuria. „Und so kann Willi mit seinem E-Bike selbstständig zu seinen Trainings fahren.“ Dass das alles funktioniert, erfordert allerdings Organisation und ein gutes Zeitmanagement – von der ganzen Familie. Denn auch seine Geschwister haben Hobbys, wie etwa seine Schwester Irma, die Hockey im Hessen-Kader spielt. „Alles unter einen Hut zu bekommen, ist Teamarbeit“, betont Willis Mama. „Ohne Hilfe von Familie und Freunden wäre das nur schwer realisierbar.“
Auch die Schule unterstützt Willis Schauspiel-Hobby. Häufig kann er aufgrund von Dreharbeiten nicht am Unterricht teilnehmen. „Die Schule hat von Anfang an gesagt: Das ist eine tolle Chance für Willi. Solange die Noten stimmen, stehen wir dem nicht im Weg.“ Dafür ist die Familie der Schule bis heute dankbar.
Ob er eines Tages als Schauspieler arbeiten möchte oder sich später für einen ganz anderen Weg entscheidet, weiß Willi noch nicht. „Im Moment ist die Schauspielerei ja nur etwas, das mir Spaß macht. Aber wenn ich irgendwann mal mein Hobby zum Beruf machen könnte, wäre das natürlich cool.“ Eine Antwort, die kaum überrascht. Willi muss niemandem etwas beweisen. Er genießt einfach das, was ihm im Moment Freude macht. Mit Natürlichkeit, Empathie und einer bemerkenswerten Leichtigkeit.
Vielleicht ist genau das sein größtes Talent: Er versucht nicht, jemand Besonderes zu sein – er ist einfach er selbst.
KONTAKT
www.rietz-casting-agentur.de